Zu meinem neunten Geburtstag schenkte mir mein
Onkel die Eintrittskarte zu meinem ersten Fortuna Spiel. Da ich nur
die kleine Holztribüne aus Mettmann kannte, konnte ich mir nicht
vorstellen, im Düsseldorfer Rheinstadion ein Fußballspiel
zu sehen. Alleine das Stadion von weitem zu sehen war ein tolles Gefühl.
Doch der schönste Augenblick an
diesem Tag war der kurze Moment, wenn man die wuchtigen Betontreppen
hinaufgeht und den grünen Rasen und das riesige Stadion von innen
sieht. Das Gefühl, wenn man die Tribüne erreicht hat und
das ganze Stadion überblicken kann, ist unbeschreiblich und im
Rheinstadion einmalig. Obwohl ich wollte, dass dieser schöne
Moment immer andauert, war ich froh, als ich auf meinem Platz saß.
So konnte ich den Lärm der Fans und die riesige Menschenmasse
auf mich wirken lassen.
Die Fortuna- Fans sind einmalig in ganz Deutschland. Viele Fans schwenken
ihre mitgebrachten Fahnen und fast jeder hat ein Trikot an. Diese
rot-weiße Menschenmenge im Fanblock und die Fangesänge
sind so eindringlich, dass ich die ersten zehn Spielminuten, überhaupt
nicht auf das Spiel geachtet habe, sondern wie in Trance war. Besonders
haben mir damals - und auch heute noch - die ständigen "FORTUNA,
FORTUNA" Sprechchöre gefallen. Das hat die Spieler so angefeuert,
dass sie sich eigentlich gar nicht erlauben konnten schlecht zu spielen.
Aber als Fortuna- Fan weiß man, dass man das nicht so einfach
sagen kann. Mein Onkel hat extra das Spiel gegen den Tabellenletzten
FSV Frankfurt ausgewählt, damit ich auch ein erfolgreiches Spiel
sehe. Aber wer unsere Fortuna kennt, weiß, dass man das auch
nicht so einfach sagen kann.
Auch wenn ich die Mühe meines Onkels
schätze, das Spiel endete zwei zu zwei. Die Düsseldorfer
kontrollierten das Spiel über neunzig Minuten und hatten eine
Torchance nach der anderen. Doch sie brachten es nicht zu Stande,
aus der Fülle der Chancen mehr als zwei Tore zu erzielen. F95
führte zwei zu eins und war drauf und dran die Führung auszubauen.
Aber "typisch" Fortuna, kassierten sie in der letzten Minute
vor dem Abpfiff den Ausgleich. So lernte ich beim ersten Spiel die
Schicksale eines Fortuna- Fans kennen. Ich lernte damit zu leben,
dass wir anders sind.
Bevor ich aus dem Stadion ging, guckte
ich noch mal zurück in diese riesige Beton- Schüssel. Gut
,dass ich das bei jedem Heimspiel gemacht habe, weil das Rheinstadion
in diesem Jahr abgerissen wird und man diesen Augenblick dann nicht
mehr erleben kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass auch die
neue Arena diese Gefühle freigibt, weil sie ebenso dem Fortuna-
Mythos unterliegt.
Kai Niemann