Mein Erstes Spiel
Kai Niemann
(15.04.1995) Fortuna Düsseldorf - FSV Frankfurt 2:2

Zu meinem neunten Geburtstag schenkte mir mein Onkel die Eintrittskarte zu meinem ersten Fortuna Spiel. Da ich nur die kleine Holztribüne aus Mettmann kannte, konnte ich mir nicht vorstellen, im Düsseldorfer Rheinstadion ein Fußballspiel zu sehen. Alleine das Stadion von weitem zu sehen war ein tolles Gefühl.
Doch der schönste Augenblick an diesem Tag war der kurze Moment, wenn man die wuchtigen Betontreppen hinaufgeht und den grünen Rasen und das riesige Stadion von innen sieht. Das Gefühl, wenn man die Tribüne erreicht hat und das ganze Stadion überblicken kann, ist unbeschreiblich und im Rheinstadion einmalig. Obwohl ich wollte, dass dieser schöne Moment immer andauert, war ich froh, als ich auf meinem Platz saß. So konnte ich den Lärm der Fans und die riesige Menschenmasse auf mich wirken lassen.
Die Fortuna- Fans sind einmalig in ganz Deutschland. Viele Fans schwenken ihre mitgebrachten Fahnen und fast jeder hat ein Trikot an. Diese rot-weiße Menschenmenge im Fanblock und die Fangesänge sind so eindringlich, dass ich die ersten zehn Spielminuten, überhaupt nicht auf das Spiel geachtet habe, sondern wie in Trance war. Besonders haben mir damals - und auch heute noch - die ständigen "FORTUNA, FORTUNA" Sprechchöre gefallen. Das hat die Spieler so angefeuert, dass sie sich eigentlich gar nicht erlauben konnten schlecht zu spielen. Aber als Fortuna- Fan weiß man, dass man das nicht so einfach sagen kann. Mein Onkel hat extra das Spiel gegen den Tabellenletzten FSV Frankfurt ausgewählt, damit ich auch ein erfolgreiches Spiel sehe. Aber wer unsere Fortuna kennt, weiß, dass man das auch nicht so einfach sagen kann.
Auch wenn ich die Mühe meines Onkels schätze, das Spiel endete zwei zu zwei. Die Düsseldorfer kontrollierten das Spiel über neunzig Minuten und hatten eine Torchance nach der anderen. Doch sie brachten es nicht zu Stande, aus der Fülle der Chancen mehr als zwei Tore zu erzielen. F95 führte zwei zu eins und war drauf und dran die Führung auszubauen. Aber "typisch" Fortuna, kassierten sie in der letzten Minute vor dem Abpfiff den Ausgleich. So lernte ich beim ersten Spiel die Schicksale eines Fortuna- Fans kennen. Ich lernte damit zu leben, dass wir anders sind.
Bevor ich aus dem Stadion ging, guckte ich noch mal zurück in diese riesige Beton- Schüssel. Gut ,dass ich das bei jedem Heimspiel gemacht habe, weil das Rheinstadion in diesem Jahr abgerissen wird und man diesen Augenblick dann nicht mehr erleben kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass auch die neue Arena diese Gefühle freigibt, weil sie ebenso dem Fortuna- Mythos unterliegt.

Kai Niemann

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