Mein Schönstes Spiel
NRW-Radler
(2000/2001) Fortuna-Doppelpack
Schönstes Spiel? Nun, ich habe zwar schon einige legendäre Spiele erlebt, so dass es mir schwer fällt, mich auf ein Spiel fest zu legen. Dass ich gleich zwei Spiele ausgewähl habe, hat allerdings einen bestimmten Grund.

Seit ca. zwei Wochen war Tim Kamp zu diesem Zeitpunkt Trainer beider Mannscahften der Fortuna, und der Spielpan sah an diesem Tag für beide Mannschaften ein Auswärtsspiel vor - 14.00 Uhr in der Regionalliga in Wattenscheid, exakt 31/2 Stunden später in der Oberliga in Osterfeld. Für beide Mannschaften war das Spiel zudem immens wichtig im Kampf um den Klassenerhalt.
Dieter Bierbaum machte noch beim Heimspiel zuvor Werbung, dass die beiden Stadien nur ca. 10 Minuten auseinander lägen, was selbst dann noch gewagt ist, wenn man die im Ruhrgebiet üblichen Tempolimits als "Meilen pro Stunde" interpretiert.
Ich wusste, dass ich beide Spiele besuchen würde. Und ich wusste auch, dass ich mehr als 10 Minuten brauchen würde. An einem schönen und vor allem trockenen Frühlingstag ist es für mich keine Frage, nahe gelegene Auswärtsspiele mit dem Rad zu besuchen. Nicht, dass ich der erste Fortune gewesen wäre, der ein Auswärtsspiel auf die denkbar zweitunbequemste Weise (nach Marathonlauf) besucht hätte. Nicht, dass es mein weitestes oder gar erstes derartiges Spiel war - es war genau genommen das 10. (und 11.). Aber zwei Auswärtsspiele eines Vereins an einem Tag mit dem Rad zu besuchen, dürfte - jedenfalls in diesen Spielklassen - rekordverdächtig sein.
U
nd so ertrug ich das nervenzerreibende Spiel in Wattenscheid mit äußerster unangebrachter innerer Ruhe - hatte ich doch den ersten Erfolg an diesem Tag (Überzeugen des Wattenscheider Ordners, dass mein Rucksack mit einem bereits stinkend durchgeschwitzten Trikot unbedingt ins Stadion gehört) schon hinter mir. Keine Zeit, das 2:1 gebührend zu feiern, die nächste Etappe stand an. In Ostefeld war ich zwar pünktlich, aber erst einmal auf der falschen Bezirkssportanlage. "Ja, hier spielt Adler. Aber heute nicht, sonst wären sie ja hier."
Zehn Minuten später war ich im richtigen Stadion, nur ein Absperrband von den Akteuren getrennt. Allein das (und natürlich das überraschend souveräne 4:1 bei einem nominell viel stärkeren Gegner) hätte schon gereicht, um in die Auswahl zum "schönsten Spiel" zu kommen.
So endete dann im Sonnenuntergang über dem Ruhrgebiet ein rundum erfolgreicher Tag. Tim Kamp ging als 6-Punkte-Trainer in die Vereinsgeschichte ein, wovon heute leider niemand mehr redet. Außer mir, denn ich fühle mich seitdem auch als Rekordhalter...

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