Schönstes Spiel? Nun, ich habe
zwar schon einige legendäre Spiele erlebt, so dass es mir schwer
fällt, mich auf ein Spiel fest zu legen. Dass ich gleich zwei Spiele
ausgewähl habe, hat allerdings einen bestimmten Grund.
Seit ca. zwei Wochen war Tim Kamp zu diesem Zeitpunkt
Trainer beider Mannscahften der Fortuna, und der Spielpan sah an diesem
Tag für beide Mannschaften ein Auswärtsspiel vor - 14.00
Uhr in der Regionalliga in Wattenscheid, exakt 31/2 Stunden später
in der Oberliga in Osterfeld. Für beide Mannschaften war das
Spiel zudem immens wichtig im Kampf um den Klassenerhalt.
Dieter Bierbaum machte noch beim Heimspiel zuvor Werbung, dass die
beiden Stadien nur ca. 10 Minuten auseinander lägen, was selbst
dann noch gewagt ist, wenn man die im Ruhrgebiet üblichen Tempolimits
als "Meilen pro Stunde" interpretiert.
Ich wusste, dass ich beide Spiele besuchen
würde. Und ich wusste auch, dass ich mehr als 10 Minuten brauchen
würde. An einem schönen und vor allem trockenen Frühlingstag
ist es für mich keine Frage, nahe gelegene Auswärtsspiele
mit dem Rad zu besuchen. Nicht, dass ich der erste Fortune gewesen
wäre, der ein Auswärtsspiel auf die denkbar zweitunbequemste
Weise (nach Marathonlauf) besucht hätte. Nicht, dass es mein
weitestes oder gar erstes derartiges Spiel war - es war genau genommen
das 10. (und 11.). Aber zwei Auswärtsspiele eines Vereins an
einem Tag mit dem Rad zu besuchen, dürfte - jedenfalls in diesen
Spielklassen - rekordverdächtig sein.
Und so ertrug ich das nervenzerreibende Spiel
in Wattenscheid mit äußerster unangebrachter innerer Ruhe
- hatte ich doch den ersten Erfolg an diesem Tag (Überzeugen
des Wattenscheider Ordners, dass mein Rucksack mit einem bereits stinkend
durchgeschwitzten Trikot unbedingt ins Stadion gehört) schon
hinter mir. Keine Zeit, das 2:1 gebührend zu feiern, die nächste
Etappe stand an. In Ostefeld war ich zwar pünktlich, aber erst
einmal auf der falschen Bezirkssportanlage. "Ja, hier spielt
Adler. Aber heute nicht, sonst wären sie ja hier."
Zehn Minuten später war ich im richtigen Stadion, nur ein Absperrband
von den Akteuren getrennt. Allein das (und natürlich das überraschend
souveräne 4:1 bei einem nominell viel stärkeren Gegner)
hätte schon gereicht, um in die Auswahl zum "schönsten
Spiel" zu kommen.
So endete dann im Sonnenuntergang über
dem Ruhrgebiet ein rundum erfolgreicher Tag. Tim Kamp ging als 6-Punkte-Trainer
in die Vereinsgeschichte ein, wovon heute leider niemand mehr redet.
Außer mir, denn ich fühle mich seitdem auch als Rekordhalter...