Unvergessen
Der kleine Teufel
Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht ....

Unvergessen bleibt mir zwar nicht das Spiel in Aue (hatte ich aufgrund der leckeren Bierchen schon Abends in Dresden wieder vergessen), wohl aber die Fahrt und die Umstände in diesen uns wohl allen bekannten Wochen:
Angetrieben durch zehn Leipzig-niederkämpfende Fortunen, 14.000 feiernde, schreiende (ebenfalls kämpfende) Tuna-fans und unzählige Bengalen machten sich fünf Düsseldorfer auf den Weg nach Aue. Freitag morgens ging es Richtung "fünf neue Länder", denn wir wollten nicht nur Fußball, sondern auch viel Deutsche-Ost-Kultur mitnehmen (so, erste Verwunderung beim Leser, aber ich muss euch enttäuschen, denn das wird kein chaotischer-sauf-auswärts-Bericht - auch wenn wir nach dem Spiel dem Alkohol nicht abgeneigt waren).
Erste Station: Weimar. Home of Goethe und Schiller und nach der Vereinigung auch wirklich schön restauriert. Kleiner Rundgang durch die alte Stadt mit Besuch des "Gartenhauses", um abschätzen zu können ob tatsächlich eine allabendliche Korrespondenz Goethes - durch Kerzen-Licht-Signale - mit der Liebsten möglich war. Natürlich wurden auch die zahlreichen Denkmaler für Photosessions "Tuna-mäßig" mit Schal und Fahne geschmückt, wofür wir in der Fußgängerzone viele kritische und auch mitleidige Blicke ernteten. Zum Abschluß dann noch eine echte Thüringer "Roster" (lecker) und ein oder zwei Bierchen (auch lecker) aufm Marktplatz. Wobei man bemerken muss, dass die Preise unglaublich günstig waren. Versucht mal in Düsseldorf ein 0,5 l Bierchen (dazu noch draußen und beste Lage) für 3,50 DM (nicht Euro) zu bekommen!
U
nd dann weiter nach Aue. Tor zum Erzgebirge; Türchen würde eher passen. Selten hab' ich eine so tote Stadt erlebt. O.k., das Hotel "Blauer Engel" war gut (das "erste" Hotel am Platze, aber wohl auch das einzige...). Und die Auer sind wirklich ein netter Haufen, doch in der Stadt (?) ist wirklich nichts los. Beispiel gefällig? Spaßeshalber besorgten wir uns unsere Tickets schon am Freitag im Auer Fan-Shop (Motto: 1000+). Und nachdem wir mit den Leuten ein wenig gequatscht hatten, entwickelte sich folgender Dialog:

Düsseldorfer (d): Sagt mal, was können wir heute abend noch in Aue machen?
Auer (a): Hier in Aue? (allein diese Frage hätte stutzig machen sollen)
d: Klar, was macht ihr denn hier so am Wochenende? Oder fahrt ihr nach Zwickau? (Achtung: großer Fehler! Einen Auer nie auf Zwickau ansprechen, ist ungefähr wie einen Düsseldorfer über seine Freunde in K*** zu fragen!)
a: Also, hier vorne ist ein Bistro und ein bisschen weiter noch ne Kneipe.
d: Ja, und weiter?
a: Hey, wir sind hier keine Großstadt. (Anmerkung: Hatten wir zu dem Zeitpunkt auch schon gemerkt)
d: Ihr müsst doch noch was anderes haben?
a: Ach ja, wir haben noch eine Disco ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß die Hauptstrasse entlang.
Bevor ich es vergesse, ihr müsst euch die Antworten in sächsisch vorstellen. Allein schon, wie Aue ausgesprochen wird. Kann ich nicht mal in Lautschrift ausschreiben! (Achtung, wieder Kultur, wie schrieb schon Erich Kästner in "Drei Männer im Schnee": "Wenn man unsere deutsche Sprache mit einem Gebäude vergleichen wollte, so könnte man sagen, in Sachsen habe es durchs Dach geregnet").

Nunja, der Abend wurde dann in dem Bistro und der Kneipe (Köstritzer dunkel) noch sehr spaßig und gegen Mitternacht machten wir uns dann auf den Weg in besagte Disco. Nach nur einer halben Stunde Fußweg und mehreren Tuna-Liedern fanden wir den Laden ohne große Mühe. Nur leider freitags geschlossen!!! Ich meine, wir sprechen hier von Freitag: Wochenende, Weggehen, Feiern...., aber wie gesagt, Aue (kein Kommentar!). Dann wieder zurück ins Bistro, um uns unterwegs von einem gut benebelten Auer antexten zu lassen: "Deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz-rot-gold, wir stehn zu Dir!". Häh??? Im Bistro dann die ersten Fortunen begrüßen und die große Feier auf morgen verschieben (allerdings anders, als wir gedacht hatten!).
Spieltag: Aufstehen, Sonnenschein, gute Laune, drei Punkte fest im Blick; lecker und ausgiebig frühstücken, wieder Stirnrunzeln: Linsensuppe auf dem Frühstücks-Buffet!?!?; o.k., hat nen Hauch von Uerige am Samstag; noch ein bisschen Sightseeing (???) und dann ab ins Erzgebirg-Stadion. Highlight war der McDonalds am Stadion: Zwei Stunden vor Spielbeginn fest in Düsseldorfer Hand und mit Leuten besetzt, die viel Spaß hatten. So wurde jeder Aue-Fan mit dem Vereins-Schlachtruf begrüßt: "Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht, Wismut Aue eine Fußballmacht!", Tuna-Lieder und Anekdötchen machten die Runde und ca. 10 Herren der Schöpfung hatten es auf eine Auerin (Typ: H&M-Verkäuferin - bauch- und hirnfrei) abgesehen. Danach ging es ins Stadion und dann.....0:2! Mehr gibt es nicht vom Spiel zu berichten.
Nach dem Kick verließen wir Aue und fuhren - für den Rest des Wochenendes - nach Dresden. Der Abend stand ganz unter dem Zeichen "Stadt und Leute kennenzulernen" und die Kultur-Tour für Sonntag aufzusparen. Also ging es ab in die "Neustadt". Zwei Wochen später sollte sie nach schweren Straßenschlachten ganz anders aussehen... Erster Eindruck - der sich später immer mehr bestätigte - tolles Viertel (viele unterschiedliche Kneipen/Bars/Restaurants). Zuerst wurde der Hunger - nicht ganz landestypisch, aber sehr lecker - bei einem Griechen gestillt und dabei ein neues Dunkelbier entdeckt: Schwarzer Steiger (etwas kräftiger als Köstritzer; vom Feinsten). Danach nahmen wir ein/zwei Cocktails im "Frank's", wobei wieder die unheimlich billigen Preise auffielen (9 bis 11 DM für alle Cocktails gibt es im Mai-Thai nicht mal zur Happy Hour). Da das Wetter weiterhin warm und freundlich war, zog es uns in den nächsten Biergarten names "Scheune" (ein wenig abgefuckt-alternativ, aber wohl sehr trendy), der im Gegensatz zu Düsseldorf nicht um 23.00 Uhr dichtmachte, obwohl mitten in einem Wohngebiet. Zum Abschluss des Abends noch ein bisschen zu einer 80'iger-Party ins "Downtown". Gute Musik, billige Frauen, nettes Bier... nee, äh umgekehrt...., so dass der letzte von uns fünf doch schon um 07.30 Uhr im Hotel eintrudelte. Drei Stunden Schlaf, eine erfrischende Dusche und Frühstücken reichten dann aber, um den kulturellen Teil des Dresden-Trips in Angriff zu nehmen. Da die Zeit etwas knapp war, kauften wir uns für "runtergehandelte" 25 Märker pro Person bei einer Touri-Bus-Stadtrundfahrt ein. So spießig sich das auch anhört, das Geld war gut angelegt und die ca. zweistündige Fahrt war informativ (viele Infos über die Geschichte und Neuzeit Dresdens: 40.000 Wohnungen in Dresden stehen leer, also nix wie hin), lustig (allein schon wegen des Dialekts) und gemütlich (offener Bus und Sonne). Unterwegs sahen wir eine radelnde Familie (Mama, Papa, Sohn) - alle im Fortuna-Trikot. Eine unglaubliche Fata Morgana - und weit und breit keine Wüste. Danach noch in den Zwinger (nach dem Spiel hätten die Spieler in den gleichlautenden gehört), eine Kleinigkeit essen und um 17.00 Uhr Abfahrt Richtung Heimat (leider durch viel zu viele Staus erst um 02.00 Uhr in Düsseldorf).
Fazit: Seid froh, dass wir in der Regionalliga geblieben sind (auch wenn viele Spiele wieder unter aller Sau waren), denn solche Fahrten kriegt man in der Oberliga nicht. Also "See you" irgendwo in Deutschland, wenn unsere Jungs mal wieder versuchen gegen einen Ball zu treten.

Der kleine Teufel

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