Nimm mich Volley
Ausgabe 3 - März 2000
 
 Ausschnitte aus der Ausgabe

Ein schlafender und sich auf Bäumen paarender Pechvogel

Achenbach Interview - Zurück nach Basel

René Bachmann - Ein Fortuna Fan auf Job-Suche

Manfred Bockenfeld - Stichworte










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Ein schlafender und sich auf Bäumen paarender Pechvogel

Manchmal bekommen Menschen Lust auf Veränderung. Dann ändern sie ohne ersichtlichen Grund die Erkenungsmelodie der Sportschau, nennen Velemints-Bonbons plötzlich Velamints und dann wieder Velemints und Raider heißt jetzt Twixx. Einige dieser Maßnahmen machen Sinn, viele aber auch nicht. Ein Meilenstein in der Geschichte der sinnlosen Bemühungen ist Fortunas groß angelegte Maskottchen-Aktion aus dem Jahre 1996.
Es begab sich aber zu der Zeit, als Fortuna Düsseldorf den Drang verspürte, einen neuen Glücksbringer für den Verein zu kreieren. Warum auch nicht, der vorherige Talismann, Löwe Zimbo, schien doch sehr angestaubt und war auch den meisten schlichtweg unbekannt. Irgendjemand hatte die findige Idee, das gemeine Volk an der Erschaffung des Maskottchens zu beteiligen. Man ersann in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse Düsseldorf einen "Kreativ-Malwettbewerb", wo Jederkind zwischen 8 und 18 seiner Phantasie freien Lauf lassen sollte. Eine große Idee war geboren und die Geschichte wurde mit beeindruckender Wichtigkeit aufgezogen. Schirmherrin war keine Geringere als Oberbürgermeisterin Marlies Smeets, die Stadt wurde mit Plakaten zugeklebt und die Presse begleitete die Aktion mit umfangreichen Berichten. Die endgültige Krönung des Wappentiers sollte schließlich von Kunstprofessor Jörg Immendorf und dem damals in Fortunakreisen noch unbekannten Galeristen und Kunstkenner Helge Achenbach vorgenommen werden. In der Fortuna Aktuell rühmten sich die Beteiligten wegen ihres Scharfsinns und ihres Einfallsreichtums. Das neue Maskottchen sollte mindestens so bekannt werden wie der Kölner Geißbock.
Mittendrin im ganzen Tamtam war die damalige Marketingleiterin Karin Berghoff. Und wenn Präses Hauswald vollmundig erklärte, das Maskottchen müsse "jung, dynamisch, sympathisch, menschlich, ehrlich und beliebt" sein, setzte sie stets ein leises "und vermarktbar sein muß es auch!" hinzu. Es sollten zwar nicht die üblichen, starken und unbezwingbaren Löwen, Bären oder Adler sein, aber doch ein Geschöpf, das man marketingtechnisch benutzen und darum eine neue Imagekampagne aufbauen könne.

Schöngeist Immendorf
Voller Hoffnung sah man dem Tag der Entscheidung entgegen. Zur Auswahl standen u.a. "Draguna, der Drachen", "Rudi, die Giraffe", "Fränky, der Fuchs", "Frotus, die Schildkröte", "Fortunello, der Ball", "Funi, das Krokodil" oder "Fino, das Nilpferd". Da mußte doch etwas dabei sein. Die hohen Herren der Jury stolzierten in der Stadtsparkasse an der Berliner Allee an den hunderten Vorschlägen vorbei, die die Düsseldorfer Jugend eingeschickt hatte. Doch Karin Berghoff ahnte nichts Gutes. Seine Majestät, Professor Immendorff, verstand nämlich viel von hoher Kunst, aber kaum etwas vom wahren Fußballeben. Dann kam der spannende Moment, wo Schöngeist Immendorf caesarengleich mit erhobenem Daumen den Sieger küren sollte. Er ließ sich Zeit und zeigte mit großer Geste auf...auf einen kleinen schwarzen Vogel. Alle klatschten fröhlich und sangen Loblieder. Der Kunstkenner mußte es ja schließlich wissen. "Forty, der Starke", der einem Tukan-Vogel glich, war geboren! Der Erfinder, der damals 12jährige Peter Petermann wurde geherzt und erhielt 1500,- DM Preisgeld. Das Ergebnis wurde verkündet und kurze Zeit später beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund den 35000 Zuschauern in einem offenen Triumphwagen präsentiert.
Nur Frau Berghoff war nicht ganz so zufrieden. Ihr war, wie den meisten denkenden Betrachtern sofort aufgefallen, daß man das dunkle kleine Tier nicht nur mit einem Maskottchen, sondern auch mit einem Pechvogel in Verbindung bringen könne. Gerade in Zeiten häufiger Niederlagen (und in der Abstiegssaison 96/97 gab es viele davon) würde diese nicht sehr angenehme Assoziation die Runde machen. Die Werbefrau erschrak und wollte das Geschöpf irgendwie aufpeppeln. Zu diesem Zweck rief sie einen ihr bekannten Zoologen an und fragte ihn nach charakteristischen Merkmalen des gefiederten Freundes. Sie erhoffte sich wenigstens Eigenschaften wie Mut, Zähigkeit und Flinkheit. Der Tierkenner dachte lange nach und verkündete - und jetzt kommt´s: "TUKANS SCHLAFEN DEN GANZEN TAG UND PAAREN SICH AUF BÄUMEN! Mehr gibt es da nicht zu sagen."

Tiefes Kellergewölbe
Jetzt hatte die Marketingleiterin endgültig den schwarzen Vogel. Wie vermarktet man ein faules, höchstens mal auf einem Ast kopulierendes Tier? Zudem rutschte er, und das war Fortys zweites Pech, in den Sumpf von Fortunas Funktionärsetage. Denn dort war man inzwischen wieder wach geworden, erkannte die Nachteile des Glücksbringers und mochte es nicht mehr. Das Strichtier wurde hin- und hergereicht, von Werbeleuten überarbeitet, gedreht, gewendet, wegsortiert, zur erneuten Prüfung wieder hervorgeholt und schließlich ignoriert. Damit verschwand das Forty-Konzept, sowohl buchstäblich als auch im übertragenden Sinne, in irgendeiner Schublade in einem tiefen Kellergewölbe. Und hier endet die Geschichte. Das hoffnungsvolle Maskottchen, das größer werden sollte als der Kölner Dom, tauchte nie wieder auf. Es geht die Sage, Frau Berghoff hätte es heimlich auf der untersten rechten Ecke eines Fortuna-Kalenders plaziert, aber so genau weiß das niemand mehr. Der einzige noch erhaltene Forty hängt heute im Museum für sinnlose und entartete Kunst...nein nur Spaß...befindet sich in den Hallen von Heinz Hessling in Heerdt. Ganz still hängt er da. Denn er schläft. Außer manchmal, da paart er sich auf Bäumen.



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