Manchmal bekommen Menschen Lust auf Veränderung.
Dann ändern sie ohne ersichtlichen Grund die Erkenungsmelodie der
Sportschau, nennen Velemints-Bonbons plötzlich Velamints und dann
wieder Velemints und Raider heißt jetzt Twixx. Einige dieser Maßnahmen
machen Sinn, viele aber auch nicht. Ein Meilenstein in der Geschichte
der sinnlosen Bemühungen ist Fortunas groß angelegte Maskottchen-Aktion
aus dem Jahre 1996.
Es begab sich aber zu der Zeit, als Fortuna Düsseldorf den Drang
verspürte, einen neuen Glücksbringer für den Verein zu
kreieren. Warum auch nicht, der vorherige Talismann, Löwe Zimbo,
schien doch sehr angestaubt und war auch den meisten schlichtweg unbekannt.
Irgendjemand hatte die findige Idee, das gemeine Volk an der Erschaffung
des Maskottchens zu beteiligen. Man ersann in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse
Düsseldorf einen "Kreativ-Malwettbewerb", wo Jederkind
zwischen 8 und 18 seiner Phantasie freien Lauf lassen sollte. Eine große
Idee war geboren und die Geschichte wurde mit beeindruckender Wichtigkeit
aufgezogen. Schirmherrin war keine Geringere als Oberbürgermeisterin
Marlies Smeets, die Stadt wurde mit Plakaten zugeklebt und die Presse
begleitete die Aktion mit umfangreichen Berichten. Die endgültige
Krönung des Wappentiers sollte schließlich von Kunstprofessor
Jörg Immendorf und dem damals in Fortunakreisen noch unbekannten
Galeristen und Kunstkenner Helge Achenbach vorgenommen werden. In der
Fortuna Aktuell rühmten sich die Beteiligten wegen ihres Scharfsinns
und ihres Einfallsreichtums. Das neue Maskottchen sollte mindestens so
bekannt werden wie der Kölner Geißbock.Mittendrin
im ganzen Tamtam war die damalige Marketingleiterin Karin Berghoff. Und
wenn Präses Hauswald vollmundig erklärte, das Maskottchen müsse
"jung, dynamisch, sympathisch, menschlich, ehrlich und beliebt"
sein, setzte sie stets ein leises "und vermarktbar sein muß
es auch!" hinzu. Es sollten zwar nicht die üblichen, starken
und unbezwingbaren Löwen, Bären oder Adler sein, aber doch ein
Geschöpf, das man marketingtechnisch benutzen und darum eine neue
Imagekampagne aufbauen könne.
Schöngeist Immendorf
Voller Hoffnung sah man dem Tag der Entscheidung
entgegen. Zur Auswahl standen u.a. "Draguna, der Drachen",
"Rudi, die Giraffe", "Fränky, der Fuchs", "Frotus,
die Schildkröte", "Fortunello, der Ball", "Funi,
das Krokodil" oder "Fino, das Nilpferd". Da mußte
doch etwas dabei sein. Die hohen Herren der Jury stolzierten in der
Stadtsparkasse an der Berliner Allee an den hunderten Vorschlägen
vorbei, die die Düsseldorfer Jugend eingeschickt hatte. Doch Karin
Berghoff ahnte nichts Gutes. Seine Majestät, Professor Immendorff,
verstand nämlich viel von hoher Kunst, aber kaum etwas vom wahren
Fußballeben. Dann kam der spannende Moment, wo Schöngeist
Immendorf caesarengleich mit erhobenem Daumen den Sieger küren
sollte. Er ließ sich Zeit und zeigte mit großer Geste auf...auf
einen kleinen schwarzen Vogel. Alle klatschten fröhlich und sangen
Loblieder. Der Kunstkenner mußte es ja schließlich wissen.
"Forty, der Starke", der einem Tukan-Vogel glich, war geboren!
Der Erfinder, der damals 12jährige Peter Petermann wurde geherzt
und erhielt 1500,- DM Preisgeld. Das Ergebnis wurde verkündet und
kurze Zeit später beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund den 35000
Zuschauern in einem offenen Triumphwagen präsentiert.
Nur Frau Berghoff war nicht ganz so zufrieden.
Ihr war, wie den meisten denkenden Betrachtern sofort aufgefallen, daß
man das dunkle kleine Tier nicht nur mit einem Maskottchen, sondern
auch mit einem Pechvogel in Verbindung bringen könne. Gerade in
Zeiten häufiger Niederlagen (und in der Abstiegssaison 96/97 gab
es viele davon) würde diese nicht sehr angenehme Assoziation die
Runde machen. Die Werbefrau erschrak und wollte das Geschöpf irgendwie
aufpeppeln. Zu diesem Zweck rief sie einen ihr bekannten Zoologen an
und fragte ihn nach charakteristischen Merkmalen des gefiederten Freundes.
Sie erhoffte sich wenigstens Eigenschaften wie Mut, Zähigkeit und
Flinkheit. Der Tierkenner dachte lange nach und verkündete - und
jetzt kommt´s: "TUKANS SCHLAFEN DEN GANZEN TAG UND PAAREN
SICH AUF BÄUMEN! Mehr gibt es da nicht zu sagen."
Tiefes Kellergewölbe
Jetzt hatte die Marketingleiterin endgültig
den schwarzen Vogel. Wie vermarktet man ein faules, höchstens mal
auf einem Ast kopulierendes Tier? Zudem rutschte er, und das war Fortys
zweites Pech, in den Sumpf von Fortunas Funktionärsetage. Denn
dort war man inzwischen wieder wach geworden, erkannte die Nachteile
des Glücksbringers und mochte es nicht mehr. Das Strichtier wurde
hin- und hergereicht, von Werbeleuten überarbeitet, gedreht, gewendet,
wegsortiert, zur erneuten Prüfung wieder hervorgeholt und schließlich
ignoriert. Damit verschwand das Forty-Konzept, sowohl buchstäblich
als auch im übertragenden Sinne, in irgendeiner Schublade in einem
tiefen Kellergewölbe. Und hier endet
die Geschichte. Das hoffnungsvolle Maskottchen, das größer
werden sollte als der Kölner Dom, tauchte nie wieder auf. Es geht
die Sage, Frau Berghoff hätte es heimlich auf der untersten rechten
Ecke eines Fortuna-Kalenders plaziert, aber so genau weiß das
niemand mehr. Der einzige noch erhaltene Forty hängt heute im Museum
für sinnlose und entartete Kunst...nein nur Spaß...befindet
sich in den Hallen von Heinz Hessling in Heerdt. Ganz still hängt
er da. Denn er schläft. Außer manchmal, da paart er sich
auf Bäumen.
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